JPEG XL ist zurück in Chrome: Lohnt sich das neue Bildformat schon für Ihre Website?
Chrome unterstützt JPEG XL wieder — was das neue Bildformat für Ladezeit und Bildqualität Ihrer Website bedeutet.


Google hat JPEG XL am 6. Oktober 2026 offiziell wieder in Chrome aufgenommen — nach Jahren, in denen das Format aus dem Browser verbannt war. Für Website-Betreiber heißt das: Ein drittes modernes Bildformat neben WebP und AVIF steht vor der Tür. Die Frage, die mir in den letzten Tagen mehrfach gestellt wurde, lautet immer gleich: Muss ich jetzt wieder alle Bilder umwandeln?
Die kurze Antwort: nein, noch nicht. Die ausführliche lohnt sich trotzdem, weil JPEG XL ein paar Eigenschaften mitbringt, die WebP und AVIF nicht haben.
Was ist passiert?
Chrome hatte JPEG XL 2022 aus dem Browser entfernt, offiziell wegen zu geringer Verbreitung und zusätzlichem Wartungsaufwand im Code. Laut dem Eintrag im Chrome-Entwicklerblog ist die Unterstützung nun mit Chrome 155/156 zurück, zunächst über einen Origin Trial — Websites können das Format testen, ohne dass es sofort für alle Nutzer aktiv ist. Firefox und Safari liefern seit einiger Zeit bereits experimentelle oder teilweise Unterstützung, sodass JPEG XL sich erstmals über alle drei großen Browser hinweg wenigstens testweise einsetzen lässt.
Technisch bringt JPEG XL zwei Dinge mit, die WebP und AVIF fehlen: eine verlustfreie Umwandlung aus bestehenden JPEG-Dateien, bei der kein zusätzlicher Qualitätsverlust entsteht, und progressives Laden, bei dem ein Bild schon in niedriger Auflösung sichtbar wird, während der Rest noch nachlädt. Bei großen Produktfotos oder Galerien kann das den gefühlten Ladeeindruck verbessern, auch wenn die Datei insgesamt noch nicht vollständig geladen ist.
Was bedeutet das für Ihre Website?
Für die meisten Websites ändert sich im Moment nichts. Ein Origin Trial ist eine Testphase für Entwickler, keine breite Produktionsreife — Safari und Firefox haben JPEG XL bislang nicht vollständig und ohne Einschränkungen freigegeben. Wer heute auf Webdesign aus einer Hand setzt, bei dem Bilder bereits als WebP oder AVIF ausgespielt werden, hat ohnehin schon die wirksamste Stufe der Bildoptimierung erreicht. Diese beiden Formate sind heute von praktisch jedem Browser ohne Einschränkung unterstützt, JPEG XL noch nicht.
Spannend wird JPEG XL vor allem für zwei Fälle: Fotografie-Websites mit sehr großen Originalbildern, bei denen die verlustfreie Umwandlung spürbar Speicherplatz spart, und Seiten mit langen Bildergalerien, bei denen progressives Laden den ersten Eindruck verbessert. Für den klassischen Unternehmensauftritt mit Logo, Teambild und ein paar Produktfotos bringt ein Wechsel aktuell keinen messbaren Vorteil, den WebP nicht auch schon liefert.
- WebP: sicherer Standard, von allen aktuellen Browsern unterstützt, gute Kompression für Fotos und Grafiken.
- AVIF: noch etwas kleinere Dateien als WebP, bei sehr detailreichen Fotos teils sichtbar besser, Kodierung dauert länger.
- JPEG XL: interessant für verlustfreie Umwandlung großer Originale und progressives Laden, aber 2026 nur in Teilen der Browserlandschaft testweise verfügbar.
Was ist jetzt zu tun — und was nicht?
Nichts überstürzen. Ich rate aktuell dazu, WebP oder AVIF als Hauptformat zu behalten und JPEG XL nicht in den produktiven Betrieb zu nehmen, solange es nur per Origin Trial läuft. Ein Origin Trial muss eigens bei Google registriert werden und läuft nach einer festen Zeit automatisch aus — wer ihn einsetzt, ohne das Ablaufdatum im Blick zu haben, liefert plötzlich wieder das alte Format aus, ohne es bemerkt zu haben.
Wer dennoch testen möchte, sollte das picture-Element mit mehreren source-Angaben nutzen: JPEG XL als erste, bevorzugte Option, WebP oder das klassische JPEG als Rückfalllösung für alle Browser, die das neue Format nicht verstehen. So probiert man JPEG XL dort aus, wo es funktioniert, ohne Besucher mit älteren Browsern auszuschließen. Produktiv und ohne Rückfalllösung einsetzen sollte das Format aus meiner Sicht erst, wenn alle drei großen Browser es ohne Flag oder Origin Trial unterstützen.
Für die tägliche Praxis heißt das: Bilder weiterhin als WebP oder AVIF ausliefern, Originaldateien in hoher Qualität archivieren — genau die Ausgangsdaten, aus denen sich später verlustfrei nach JPEG XL umwandeln lässt, falls sich das Format durchsetzt. Mehr zu den Grundlagen rund um Ladezeit und Bildformate habe ich vor einiger Zeit im Beitrag zu Ladezeiten zusammengefasst; die Grundprinzipien gelten unabhängig vom jeweils neuesten Format. Einen Überblick über alle technischen Bausteine einer modernen Website gibt die Seite Webdesign-Wissen.
Quellen
Chrome for Developers Blog: Shipping JPEG XL in Chrome (6. Oktober 2026)
Kurz beantwortet
Muss ich meine Bilder jetzt auf JPEG XL umstellen?
Nein. Das Format läuft in Chrome nur als Origin Trial, Safari und Firefox unterstützen es bislang nicht vollständig — WebP oder AVIF bleiben die sichere Wahl.
Was unterscheidet JPEG XL von WebP und AVIF?
Vor allem zwei Dinge: die verlustfreie Umwandlung bestehender JPEG-Dateien ohne erneuten Qualitätsverlust und progressives Laden, bei dem Bilder schon in niedriger Auflösung sichtbar werden, während sie nachladen.
Wie teste ich JPEG XL, ohne andere Browser auszuschließen?
Über das picture-Element mit mehreren source-Angaben: JPEG XL als erste Option, WebP oder JPEG als Rückfalllösung für Browser, die das neue Format nicht verstehen.
Konrad Griesser
Webdesigner & SEO-Experte aus Augsburg — seit 1999